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Kein einfaches „Weiter so“ beim Jungen Theater

„So etwas macht man nur einmal im Leben“, erklärte im November 2004 der frischgebackene Geschäftsführer und Intendant des Jungen Theaters, Andreas Döring, gegenüber der Redaktion von Spiegel Online zum schwierigen Neuanfang des traditionsreichen Hauses nach der Insolvenz. Die FDP-Ratsfraktion will ihn jetzt beim Wort nehmen. „Es wird höchste Zeit, dass Herr Döring Verantwortung übernimmt und mit sofortiger Wirkung von seinen Posten zurücktritt. Wer als Geschäftsführer so eklatant versagt hat, kann nicht glaubwürdig an einer Aufklärung und einem möglichen Wiederaufbau mitwirken. Ich habe kein Verständnis dafür, dass der Aufsichtsrat ihn nicht längst entlassen hat“, so der stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende Ben Schroeter.

Eine mögliche Erklärung für das zögerliche Handeln des Aufsichtsrates sieht Schroeter in dessen „eigener unrühmlicher Rolle“. Der Aufsichtsrat sei „mindestens genauso unfähig gewesen, wie der Intendant und Geschäftsführer.“ Und weiter: „Es ist doch eine Veralberung der Bürger und Steuerzahler, wenn der Aufsichtsratsvorsitzende erklärt, man werde sich auch weiterhin an einer Aufarbeitung der Fehler beteiligen. Das sind dieselben Personen, die über Jahre nichts gemerkt haben wollen und die sich statt um die Bilanzen und die Wirtschaftspläne lieber um Freikarten und Schnittchen gekümmert haben. Hier muss mit eisernem Besen gekehrt werden und der gesamte Aufsichtsrat gleich mit gehen“, so die deutliche Forderung des FDP-Manns.

Insbesondere die SPD-Vertreter Frank-Peter Arndt und Dagmar Schlapeit-Beck würden nun schon zum zweiten Mal bei der Insolvenz einer Gesellschaft mit städtischer Beteiligung als Aufsichtsratsmitglieder fungieren. „Diese beiden Pleitegeier sollten umgehend alle ihre Aufsichtsratsmandate niederlegen. Noch mehr Verluste kann sich die Stadt Göttingen nicht leisten. Generell sollte darüber nachgedacht werden, ob nicht eine Schulungspflicht für die Aufsichtsratsmitglieder aus den Reihen des Stadtrates und der Stadtverwaltung angebracht ist. Der ein oder andere könnte dann auch vielleicht die Vorder- von der Rückseite der Bilanz unterscheiden“, so der zynische Kommentar Schroeters.

Die FDP-Ratsfraktion fordere die rücksichtslose Aufklärung der genauen Umstände der JT-Insolvenz. Der Artikel des Spiegel aus dem Jahr 2004 werfe zum Beispiel Fragen zur fachlichen Qualifikation der Mitarbeiter des Jungen Theaters auf. Dort heißt es: „Also vertiefte sich Döring in Bücher über ‚Kostenerstellung‘ und ‚Bilanzbuchhaltung‘, ließ sich von einem österreichischen Red-Bull-Manager beraten, wie das so geht, einen Betrieb zu führen. […] Er engagierte eine Buchhalterin, die zwar noch nie im Theater gewesen war, aber mit Mitte Fünfzig längst keine Chance mehr in der freien Wirtschaft hätte.“

Zugleich erteilte die FDP-Fraktion einer Weiterförderung des Theaters vor dem Abschluss aller Untersuchungen eine deutliche Absage: „Die Stadt kann nicht gutes Geld schlechtem hinterherwerfen“, so Schroeter abschließend.

Nachtrag: Liste der Aufsichtsratsmitglieder

Frank-Peter Arndt, Vorsitzender, SPD, seit 10.11.2006
Marcel Pache, Ratsherr, CDU, seit 09.11.2007
Andreas Wobst, Kreistagsmitglied, CDU, seit 01.04.2004
Stadträtin Dr. Dagmar Schlapeit-Beck, SPD, seit 10.11.2006
Elke Bartussek, Förderverein “Freunde des JT”, seit 01.07.2004
Harald Kropp, Förderverein “Freunde des JT”, seit 01.07.2004
Agnes Giehse, Betriebsrat Junges Theater, seit 19.03.2008

Verfasser: FDP im Rat der Stadt Göttingen

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